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Forschung

29. Juni 2006

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Wien: Das menschliche Genom auf 4 x 6 cm – ein Symposium zur Molekularen Diagnostik

Die Bedeutung der Molekularen Diagnostik für die Krebstherapie wird in den nächstenJahren stark zunehmen – das ist das Fazit eines gestern in Wien abgehaltenen Symposiums. Anlass für das Symposium war der Erwerb eines ultra-modernen Microarray Analyzers im Rahmen des EU-Projekts OVCAD (Ovarian Cancer Diagnosis). Das Gerät erlaubt die derzeit sensitivste Analyse der Aktivitäten aller menschlichen Gene und damit Aussagen über Art und Fortschritt von Krebserkrankungen mit bisher unerreichter Genauigkeit.

Tumorzellen unterscheiden sich von normalen Körperzellen auch durch veränderte genetische Aktivitäten. Deren Nachweis kann zu einer frühzeitigen und präzisen klinischen Diagnose genutzt werden – wenn man weiß, wonach man schaut. Bei ca. 30.000 menschlichen Genen ist das aber nicht so leicht. Für die Molekulare Diagnostik des Eierstock-Krebses wurde im Rahmen des EU-Projekts OVCAD an der Medizinische Universität Wien (MUW) ein entscheidender Schritt vorwärts gemacht: Das weltweit empfindlichste Gerät zum Vergleich genetischer Aktivitäten aller menschlichen Gene wurde jetzt erworben und dessen Potenzial im Rahmen eines Symposiums diskutiert.

30.000 Gene auf 4 x 6 cm
Dabei stand ein Vorteil des Gerätes – des 1700 Chemilumineszenz Microarray Analyzer des US-Unternehmens Applied Biosystems – ganz klar im Vordergrund: Seine Fähigkeit Profile der Genaktivitäten aller 30.000 menschlichen Gene mit konkurrenzloser Empfindlichkeit zu messen. Tatsächlich kann es im Vergleich mit ähnlichen Geräten die Aktivitäten von fast 8.000 Genen mehr messen – bei gleichzeitig einmaligem dynamischen Messbereich. Diese technische Meisterleistung bietet einen ganz klaren klinischen Nutzen: Jene Gene, deren Aktivitäten in Krebszellen anders als in gesunden Zellen sind, lassen sich identifizieren ohne dass man vorher wissen muss, welche Gene zu analysieren sind.

Doch für Prof. Robert Zeillinger, Arbeitsgruppenleiter „Molecular Oncology“ an der MUW und Koordinator von OVCAD, bietet das System noch weit mehr Potenzial: „Im Rahmen des EU- Projekts OVCAD werden wir die Genaktivitäten in Tumorzellen von Patientinnen mit Eierstock-Krebs analysieren. Dabei interessieren uns vor allem Unterschiede zwischen jenen Patientinnen die auf eine Chemotherapie ansprechen und jenen, bei denen diese Standardtherapie versagt. Die Analyse dieser Unterschiede wird es ermöglichen, Aussagen über den potenziellen Erfolg einer Chemotherapie zu treffen – und zwar zum Zeitpunkt der Diagnose, und nicht wie bisher üblich erst viele Monate und viel Tumorwachstum später.“

Doch damit ist das Potenzial der Analyse mit Microarrays bei weitem noch nicht erschöpft. So evaluierte Dipl. Ing. Eva Obermayer, Mitarbeiterin in Zeillingers Arbeitsgruppe, die

Möglichkeiten mit Hilfe dieser Technik Hinweise auf einzelne, verstreute Krebszellen im Körper zu finden. Diese können zum Wiederaufflammen der Krebserkrankung selbst nach erfolgreicher Therapie des Primärtumors beitragen. Im Zusammenhang mit einer hoch effizienten Methode zur Vermehrung von Nukleotid-Sequenzen, können solche einzelnen Krebszellen dann in Blutproben nachgewiesen werden, wenn die jeweilige Änderung der Genaktivität bekannt ist. Eine Information, die ja auch mit dem 1700 Chemilumineszenz Microarray Analyzer gewonnen werden kann.

Diagnose in 3 Dimensionen
Für Zeillinger ist klar, dass mit solchen Möglichkeiten die Krebsdiagnose in eine neue Ära eintritt. In dieser wird die Diagnose auf Grund ihrer zunehmenden Aussagekraft integraler Bestandteil der Therapie. War die Diagnose bisher eher eindimensional darauf ausgerichtet die Existenz eines bereits etablierten Tumors nachzuweisen, so erweitern die molekularen Ansätze die Diagnostik um zwei Dimensionen: Details zur Tumor-Biologie und über den Therapie-Erfolg. Damit wird eine frühzeitigere und gezieltere Therapie möglich. Zusammenfassend waren sich die TeilnehmerInnen des Symposiums einig, dass die Erkenntnisse aus OVCAD zukünftig zur verbesserten Diagnostik anderer Krebsarten beitragen werden.

Hintergrund: OVCAD – OVarian CAncer Diagnosis – ist ein Specific Targeted Research Project (STREP) zur Krebsdiagnostik unter dem 6. EU-Rahmenprogramm. Das Ziel des Projektes ist es Molekulare Marker zu identifizieren, die zum Zeitpunkt der Diagnose von Eierstock-Krebs Aussagen über den zukünftigen Therapieerfolg zulassen. OVCAD umfasst 11 akademische und 4 industrielle Partner-Gruppen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Israel, Deutschland und Österreich. Das Projekt läuft über drei Jahre und wird mit EUR 4,26 Mio. von der EU unterstützt. Die Projekt-Koordination erfolgt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien.

Wissenschaftlicher Kontakt: Prof. Robert Zeillinger Medizinische Universität Wien Universitätsklinik für Frauenheilkunde

Währinger Gürtel 18-20, 5Q
A-1190 Wien
T +43 / 664 / 4240373
E robert.zeillinger@meduniwien.ac.at

Wien, 29. Juni 2006

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