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Forschung

27. September 2010

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Überflutung hat viele Ursachen – nur interdisziplinäre Forschung schafft gutes Klima

Extremereignisse wie Hochwasser oder Dürren haben viele Ursachen – und müssen daher aus verschiedensten Perspektiven erforscht werden. Das ist die Forderung von internationalen Experten der Wasser- und Klimaforschung in der aktuellen Ausgabe eines renommierten Wissenschaftsmagazins. Als Vorreiter für die interdisziplinäre Herangehensweise auf diesem Gebiet gilt das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Doktoratskolleg „Wasserwirtschaftliche Systeme“. Dank der dort gebotenen vernetzten Ausbildung können die AbsolventInnen des Kollegs komplexe Probleme der Wasserforschung lösen.

Starkregen, Hochwasser und Jahrhundertfluten – während in anderen Regionen katastrophale Dürre herrscht: Ein wasserbedingtes Naturdesaster scheint das andere zu jagen. Für die aktuelle Häufung derartiger Extremereignisse wird von vielen der Klimawandel verantwortlich gemacht. Ob und wenn ja inwieweit die globale Erwärmung sich tatsächlich auswirkt, ist aber noch nicht umfassend erforscht. Klar ist allerdings, dass sie für diese wasserbedingten Naturereignisse – wenn überhaupt – nur eine Ursache von vielen ist. Denn bei solchen Krisen spielen mehrere unterschiedliche Faktoren eine bedeutende Rolle. Daher kann eine umfassende Erforschung nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise erreicht werden. Diesen Zugang fordern SpezialistInnen der Hydrologie- und Klimaforschung in ihrer jüngsten Veröffentlichung in einem international anerkannten Fachjournal.

Einen wichtigen Schritt in Richtung dieser Interdisziplinarität bei der Klima- und Wasserforschung geht einer der Spezialisten selbst, Prof. Günter Blöschl. Der Wasserwirtschafts-Experte ist Leiter des „DK-plus“, eines Doktoratskollegs, dessen Schwerpunkt auf der Vernetzung unterschiedlichster Disziplinen liegt. Im Rahmen des Kollegs ziehen ForscherInnen aus Hydrologie, Hydrogeologie, Wassergütewirtschaft, aquatischer Mikrobiologie, Baumechanik, Ressourcenmanagement und Fernerkundung an einem Strang. Ziel des Kollegs ist es, AbsolventInnen mit den nötigen Fähigkeiten auszustatten, um klimatische und wasserwirtschaftliche Probleme in ihrer gesamten Komplexität zu verstehen und zu lösen.

Symbiose statt Isolation

Die Notwendigkeit eines interdisziplinären Zugangs erklärt Prof. Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie an der Technischen Universität Wien so: „Wasserbedingte

Probleme wie Überflutungen ergeben sich aus einer Vielzahl von Faktoren: der rasch wachsenden Nachfrage nach Wasser aufgrund des Bevölkerungswachstums und der veränderten Lebensgewohnheiten, der gleichzeitigen Erschöpfung von Trinkwasser-Ressourcen bedingt durch Umweltverschmutzung und dem ungleichmäßigen Verhältnis von Trinkwasser-Verteilung zu Bedürfnis und Nachfrage. Zusätzlich spielen auch Landschafts-Regulierungen und Wasserbauten eine große Rolle. Aufgrund der Komplexität ist es nicht zielführend, das Klima, das Wasser und die Menschen nur isoliert in ihren eigenen Disziplinen zu erforschen.“ Daher fordert Blöschl mit seinen Kollegen im Fachjournal die wasserbedingten Gefahren als Resultat einer Symbiose zwischen Mensch, Natur und Umwelt zu betrachten. Eine Forderung, die er mit dem Doktoratskolleg „DK- plus“ umsetzt.

International & interdisziplinär

Mit dem Kolleg ist es offensichtlich gelungen, das Interesse von KollegInnen weltweit zu wecken, wie die Liste der BewerberInnen zeigt. Rund 600 InteressentInnen aus 74 Ländern haben sich im Vorjahr beworben. In einem aufwendigen Auswahlverfahren wurden die besten DissertantInnen ausgewählt. Sie beschäftigen sich mit Themen wie den Wasserbewegungen im Grundwasser und im Boden, Wasserbau-Konstruktionen, Hochwasser-Vorhersagen sowie mit klimatischen Auswirkungen auf die Bodenfeuchte oder Wasser-Verunreinigungen.

Die Kombination dieser unterschiedlichen Bereiche erlaubt es, mit Unterstützung des FWF SpezialistInnen auszubilden, die an der internationalen Forschungsfront bestehen. „Mit der vernetzten Ausbildung geben wir unseren Studierenden das nötige Rüstzeug mit, um sichere Prognosen über die Wassermenge und die Wassergüte zu treffen“, sagt Prof. Blöschl. Damit haben diese interdisziplinären ForscherInnen die Chance, vor wasserbedingten Katastrophen zu schützen und dafür zu sorgen, dass Wasser künftig nicht nur in der richtigen Quantität, sondern auch in der nötigen Qualität verfügbar ist.

Bild und Text ab Montag, 27. September 2010, ab 09.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv201009-de.html

Originalpublikation: Getting on target, A. Montanari, G. Blöschl, M. Sivapalan and H. Savenije, Public Service Review: Science and Technology (2010) 7, 167–169.

Wissenschaftlicher Kontakt: Prof. Günter Blöschl Technische Universität Wien Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie Karlsplatz 13

1040 Wien
T +43 / 1 / 58801 – 22315 E bloeschl@tuwien.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF: Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung Sensengasse 1

1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8111 E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Redaktion & Aussendung: PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung Mariannengasse 8

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Wien, 27. September 2010