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Wissenschaft

15. Mai 2009

Lisbon Strategy Seminar

I’m from Austria … und aus Europa – Multiple Identität im Global Village

Die Liebe zur Nation schließt die Liebe zum Kontinent nicht aus, sondern beide gehen sogar meist Hand in Hand. Das zeigt eine im Umfang weltweit einzigartige Studie zum Thema Nationale Identität, aus der neue Ergebnisse anlässlich der Feier zum 25. Jubiläum des International Social Survey Programme (ISSP) in Wien präsentiert wurden. Die in Österreich vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Studie gibt interessante Einblicke, inwieweit sich BürgerInnen mit verschiedenen politisch-geografischen Einheiten identifizieren und räumt ein, dass die EuropäerInnen sich von anderen KontinentbewohnerInnen etwas unterscheiden.

Wer Nationalstolz in höchster Form erleben will, sollte ein internationales Sportevent besuchen. Nirgends sonst können das damit verbundene Glück und die Verzweiflung so intensiv und hautnah gefühlt werden. Denn sportliche Leistungen eines Landes tragen sehr stark zum Nationalstolz und zur Identifikation mit seinem Land bei. Doch wie stark oder schwach ist eigentlich die Identifikation mit dem Staat und gegenüber anderen politisch-geografischen Einheiten? Diese Frage beantwortet eine in 35 Ländern durchgeführte Studie des International Social Survey Programme (ISSP) – ein Programm zur länderübergreifenden Untersuchung wichtiger sozialwissenschaftlicher Themen – anlässlich seiner 25-Jahr-Feier.

Die Antwort fällt zunächst sehr eindeutig aus: 48 % der Befragten fühlen sich „sehr stark“ (und weitere 40 % „stark“) mit dem eigenen Land verbunden. Eine „starke“ Verbundenheit empfinden die BürgerInnen aber auch zum Heimatort bzw. zur Heimatregion mit 38 % bzw. 32 %. Am schwächsten ausgeprägt ist mit 19 % eine sehr starke Identifizierung mit der größten genannten politisch-geografischen Einheit: dem Kontinent, also mit Afrika, Amerika, Asien, Australien oder Europa (weitere 34 % fühlen sich dem Kontinent „verbunden“). Dies widerlegt zum einen die Hypothese vom „Sterben“ bzw. von einem Bedeutungsrückgang des Nationalstaates. Zum anderen zeigt die Studie aber auch, dass eine starke Identifizierung mit dem Nationalstaat nicht gleichzeitig eine geringere Identifikation mit dem Kontinent bedingt, auf dem man lebt. Sie sind vielmehr miteinander vereinbar, wie sich in Europa zeigt.

Entweder – Oder?

„Die Europäer und Europäerinnen fühlen sich sowohl mit dem eigenen Nationalstaat als auch mit Europa stark verbunden. Gleichzeitig besteht eine starke Verbundenheit zum Heimatort und zur

Heimatregion. Daraus ergibt sich die überraschende Erkenntnis, dass in Europa die Stärke der Identifikation mit den einzelnen politisch-geografischen Einheiten positiv miteinander korreliert. Fühlt sich also eine Person zum Beispiel besonders seinem Heimatort verbunden, so ist auch die Verbundenheit zu allen anderen Einheiten hoch, oder umgekehrt: Verspürt jemand absolut keinen Nationalstolz, dann ist auch der Bezug zu Kontinent, Heimatort- und -region schwach ausgeprägt. Diese Personen könnten sozusagen als geografisch wurzellos bezeichnet werden. Damit ist die Hypothese von einem Konflikt zwischen nationaler und europäischer Identität widerlegt“, erklärt Studienleiter Prof. Max Haller von der Universität Graz.

Der Trend einer Korrelation der Identifikation mit den politisch-geografischen Einheiten und damit einer vergleichsweise stärkeren Identifikation mit dem eigenen Kontinent zeigt sich in Europa in 17 von insgesamt 21 untersuchten Ländern. Einen Rekordwert erreichen dabei die Ungarn, wo sich 65 % sehr stark mit Europa verbunden fühlen; bezeichnenderweise ist auch die Verbundenheit mit dem eigenen Land bei den Ungarn in ganz Europa am höchsten. Eine im Vergleich zum Durchschnitt etwas stärkere Identifikation mit dem eigenen Kontinent empfinden auch die Amerikaner, während die Asiaten beispielsweise eine eher distanzierte Haltung einnehmen, was verständlich ist, da es dort auch sehr unterschiedliche Kulturen gibt.

4 x Echter Nationalstolz

Neben dem Grad der Identifikation mit politisch-geografischen Einheiten untersuchte Prof. Haller im Rahmen des FWF-Projektes auch, welche Faktoren besonders zum Nationalstolz beitragen. Er erläutert: „Die Studie zeigt, dass insbesondere vier Faktoren länderübergreifend wesentlich sind. So zeigt sich in allen untersuchten Staaten, dass 80 % bis 90 % der Bürger und Bürgerinnen Stolz in Bezug auf die Geschichte sowie die wissenschaftlichen, sportlichen, kulturellen und literarischen Leistungen des Landes empfinden. In Österreich ist zusätzlich zu beobachten, dass ein Großteil der Bevölkerung insbesondere auch auf die wirtschaftliche Leistung des Landes stolz ist.“ Damit zeigt das FWF-Projekt anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse starke patriotische Emotionen bei allen BürgerInnen über Staatsgrenzen hinweg: Denn egal ob ein Land arm oder klein ist, seine BürgerInnen finden immer Gründe, ihr Land zu lieben und darauf stolz zu sein.

Bild und Text ab Montag, 18. Mai 2009, 09.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200905-de.html

Wissenschaftlicher Kontakt: Prof. Max Haller
Universität Graz
Institut für Soziologie Universitätsstraße 15/G4 8010 Graz

T +43 / 316 / 380 – 3541 E max.haller@uni-graz.at

Der Wissenschaftsfonds FWF: Mag. Stefan Bernhardt
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Wien, 15. Mai 2009