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Wissenschaft

20. November 2006

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Gleiches Geld. Bessere Leistung. Experiment zeigt: Standardverträge sind ökonomisch sinnvoll

 

Standardisierte Arbeitsverträge mit dem Prinzip „gleicher Job, gleiches Geld“ heben die Leistungsbereitschaft. Im Vergleich zu Arbeitsverhältnissen, die auf individuell ausgehandelten Verträgen basieren, kommt es zu einer eindeutigen Steigerung von Leistung und Markteffizienz. Diese bedeutende Aussage können Wissenschafter der Universität Innsbruck nach Auswertung eines ökonomischen Experiments treffen. Das vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Projekt erweckt gerade auch hierzulande Interesse, da es für den oftmals üblichen Kollektivvertrag relevant erscheint.

ArbeitgeberInnen haben die Qual der Wahl, zukünftigen MitarbeiterInnen entweder standardisierte Verträge anzubieten, bei denen gleiche Tätigkeiten gleich entlohnt werden, oder aber individuelle Vereinbarungen zu treffen. Eine wichtige Entscheidungshilfe bieten nun Dr. Martin Kocher, Dr. Wolfgang Luhan und Prof. Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.

Deren Untersuchungen haben erstmals belegen können, dass ArbeitgeberInnen klar von standardisierten Löhnen profitieren, wenn ein Markt nur unvollständige Verträge zulässt – die Verpflichtungen von MitarbeiterInnen also nur schwer definierbar sind. Die Standardisierung führt dann nicht nur zu einer Steigerung der Löhne, sondern auch zu ökonomischen Vorteilen in Form einer höheren Arbeitsleistung und einer vermehrten Markteffizienz.

Mehr Geld, mehr Leistung

Diese Untersuchungsergebnisse spiegeln sich ganz klar in den erhobenen Zahlen wider, wie Projektleiter Prof. Sutter ausführt: „Unsere Beobachtungen haben ergeben, dass, verglichen mit den individuellen Vereinbarungen, die Löhne bei den standardisierten Verträgen um 30 Prozent höher waren. Höher ist hier aber auch die Arbeitsleistung, nämlich um 29 Prozent. Aufgrund dieser Ergebnisse ist es kein Wunder, dass eine Lohnstandardisierung auch die Markteffizienz erhöht, nämlich beinahe um ein Viertel. Die Attraktivität von standardisierten Verträgen, deren ökonomische Vorteile bislang völlig unerforscht waren, steigert sich durch diese Resultate enorm.“

Die Erklärung, die hinter diesen Zahlen steht, scheint völlig simpel zu sein: ArbeitgeberInnen, die langfristig einzelne MitarbeiterInnen finanziell belohnen möchten, müssen gleichzeitig auch die Löhne aller anderen MitarbeiterInnen erhöhen. Diese Gehaltserhöhung bewirkt bei allen gesteigerte Anstrengungen und führt in Folge zu einer höheren Markteffizienz. Dieser Kreislauf kommt zustande, da Anreize und soziale Normen in einem Markt mit vertraglich schwer festlegbaren Aufgaben eine große Rolle spielen.

Fehlendes Service

Die Grundlage dieser Ergebnisse bildet ein Laborexperiment, an dem fast 200 Innsbrucker StudentInnen unterschiedlicher Studienrichtungen teilgenommen haben. Im Rahmen eines „Geschenk-Austausch-Spiels“ wurde ein Markt simuliert, in dem ArbeitgeberInnen die Möglichkeit hatten, potenziellen AuftragnehmerInnen unterschiedliche Verträge anzubieten.

Doch auch reale Beispiele sind vor allem in der Serviceindustrie leicht auffindbar, wie Prof. Sutter ausführt: „Insbesondere im Universitätssystem werden ArbeitnehmerInnen mit demselben Berufsbild sehr unterschiedlich entlohnt. Grund ist die sich schnell verändernde arbeitsrechtliche Situation im öffentlichen Dienst. Dozenten und Professoren erhalten folglich unterschiedliche Verträge mit unterschiedlichen Lohn- und Pensionsansprüchen. Unsere Daten legen nun nahe, dass dies einen negativen Effekt auf die hier erbrachten Leistungen haben könnte.“

Die Ergebnisse könnten auf den ersten Blick auch für die Kollektivverträge, die in Österreich Tradition haben, relevant sein. Im Gegensatz zu einer Standardisierung der Löhne durch ArbeitgeberInnen kommt es hier aber zu Gewerkschaftsverhandlungen über die Löhne ganzer Berufsgruppen. Die Begrenztheit des vorliegenden Laborexperiments lässt die Frage nach der Relevanz vorerst zwar unbeantwortet. Die Resultate des vom FWF unterstützten Projekts haben jedoch gezeigt, dass eine Lohnstandardisierung unverhoffte ökonomische Vorteile haben kann – vielleicht auch dann, wenn sie das Ergebnis von gewerkschaftlichen Prozessen ist.

Wissenschaftlicher Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Matthias Sutter Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Institut für Finanzwissenschaft Universitätsstraße 15 / 4
6020 Innsbruck
M +43 / 699 / 888 13 935

E matthias.sutter@uibk.ac.at Wien, 20. November 2006

Der Wissenschaftsfonds FWF: Mag. Stefan Bernhardt
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