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Forschung

16. März 2005

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Frischzellenkur für österreichische Pflanzenforschung – Neue Karrierechancen am Gregor Mendel-Institut

GMI Young Investigator – so heißt eine neue Karrierestufe am Campus Vienna Biocenter. Damit eröffnet jetzt das Gregor Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bereits jungen hervorragenden ForscherInnen aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, ihre eigene Arbeitsgruppe zu führen. Als erster GMI Young Investigator wurde der 32-jährige Dr. Karel Riha berufen. Der nun jüngste Gruppenleiter am Campus erhält dafür Forschungsfreiheit und alle notwendigen Ressourcen, um seine international beachteten Arbeiten über Unterschiede zwischen pflanzlichen und tierischen Chromosomen eigenverantwortlich voranzutreiben.

In vielen außeruniversitären Forschungseinrichtungen bekommen junge MitarbeiterInnen erst sehr spät die Chance, ihre eigene Gruppe aufzubauen. Ein Grund dafür ist die verbreitete Tendenz, junge promovierte WissenschaftlerInnen über viele Jahre an den Projekten von etablierten Gruppen mitarbeiten zu lassen.

Sturm & Drang im Labor

Nun bietet das Gregor Mendel-Institut (GMI) exzellenten ForscherInnen zwei bis fünf Jahre früher als üblich die Chance, ihre eigenen Projekte zu bearbeiten. Nach Ansicht von Prof. Dieter Schweizer, wissenschaftlicher Direktor des GMI, bringt das Integrieren junger WissenschaftlerInnen in ein arriviertes Team neben zahlreichen Vorteilen bei zu langer Anstellungsdauer auch Nachteile. Dazu Dieter Schweizer: „Dann können die Talentiertesten ihr kreatives Potential nicht voll entfalten und werden zu spät selbständig. Junge Köpfe haben neue, manchmal gar revolutionäre Ideen und auch die Begeisterung und Ausdauer, ihre Thesen in aufwändigen Versuchen zu überprüfen. Den Außergewöhnlichen unter den Jungen muss schon früh Forschungsautonomie gewährt werden. Dabei soll die Leistungskontrolle anhand der Qualität ihrer Veröffentlichungen extern durch ein internationales Scientific Advisory Board – nicht intern durch den Direktor – erfolgen. Genau das bieten wir nun am GMI.“

Wichtigster Aspekt der neu geschaffenen Position als GMI Young Investigator ist die Freiheit, eigene Forschungsprojekte zu planen und diese zu bearbeiten. Gut ausgebildete technische MitarbeiterInnen und die notwendige Infrastruktur werden dabei vom GMI zur Verfügung gestellt, das im Herbst 2005 modernste Laborräume am Campus Vienna Biocenter beziehen wird.

Pflanzen sind wie Tiere – nur anders

Der erste, schon mehrfach ausgezeichnete GMI Young Investigator ist – wie dies die Position vorsieht – ein Wissenschaftler von internationalem Profil. Der 32-jährige Dr. Karel Riha erhielt im Jahr 1998 ein Stipendium der amerikanischen National Science Foundation – unmittelbar nach Beendigung seines Doktoratsstudiums mit erst 26 Jahren. Im Anschluss an eine sehr erfolgreiche vierjährige Forschungstätigkeit in den USA entschied er sich im Jahr 2003 für eine Position in der Gruppe des Direktors am GMI – und damit gegen ein zweites Angebot eines Spitzenforschungsinstituts in Deutschland.

Die Leidenschaft von Dr. Riha sind die als Telomere bezeichneten Enden der Chromosomen, die großen Einfluss auf die Genomstabilität haben. In tierischen Organismen führen Schädigungen der Telomere zu einem beschleunigten Alterungsprozess oder zum raschen Zelltod. Pflanzen hingegen scheinen gegen solche Schäden robuster zu sein. Ihre Zellen schaffen trotzdem noch zahlreiche Zellteilungen, und der Alterungsprozess wird weniger beschleunigt. Solche Unterschiede zwischen Tieren und Pflanzen sind es, die Karel Riha faszinieren, und die er nun mit seiner eigenen Gruppe und eigenem Budget weiter erforschen wird. Dazu Karel Riha: „Ich habe mich für das GMI entschieden, da es am Campus Vienna Biocenter einen tollen Mix wissenschaftlicher Felder gibt. Als Pflanzenbiologe kann ich mich hier mit Kollegen aus der medizinischen Forschung über die Eigenheiten des tierischen und pflanzlichen Stoffwechsels rege austauschen. Dabei empfinde ich es als sehr befriedigend, dass unsere Resultate zu den Mechanismen, wie Pflanzen mit Telomerschäden fertig werden, auf großes Interesse bei den Kollegen der medizinisch orientierten Forschung stoßen.“

Das Interesse des tschechischen Staatsbürgers Karel Riha am molekulargenetischen Vergleich von Pflanzen und Tieren ist vielleicht auch damit zu erklären, dass er seine akademische Laufbahn genau dort begann, wo die – für Pflanzen wie für Tiere geltenden – Gesetze der Genetik im Jahr 1865 erstmals beschrieben wurden: in Brünn (Brno) in der heutigen Tschechischen Republik. Durchgeführt wurden diese Arbeiten damals bezeichnenderweise vom Namenspatron des GMI – dem Augustinermönch Gregor Mendel.

Bild verfügbar unter: http://www.gmi.oeaw.ac.at/press.htm

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Karel Riha
Gregor Mendel-Institut Campus Vienna Biocenter 2 Dr. Bohrgasse 1

A-1030 Wien
T +43 / 1 / 4277 56250
E Karel.Riha@gmi.oeaw.ac.at

Aussender:
PR&D – Public Relations for Research & Development
Campus Vienna Biocenter 2
A-1030 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at

Wien, 16. März 2005