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Forschung

26. Mai 2010

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Erste Hilfe für Europas „vergessene Kinder“ Kindern psychisch kranker Eltern wird erstmals in einem EU- weiten Projekt mit Beteiligung der FH St. Pölten geholfen

Kinder psychisch kranker Eltern können jetzt auf Hilfe bauen. Denn eine Online-Plattform macht soziale Berufsgruppen nicht nur auf die Probleme dieser Kinder aufmerksam, sondern bietet auch erstmals ein spezielles Training zu deren Unterstützung. Gleichzeitig dient die Plattform auch als erste direkte Anlaufstelle für betroffene Kinder und Eltern. Diese Pionierleistung schafft ein EU-Projekt mit Beteiligung der Fachhochschule St. Pölten. Damit wird ein bisher in Österreich und ganz Europa vernachlässigtes Thema praxisnah angegangen.

Personen mit einer psychischen Funktionsstörung wie etwa einer Depression leiden enorm. Dies ist uns bewusst. Ein anderes damit verbundenes Problem haben wir bisher jedoch weitgehend ausgeblendet: Auch die Kinder von psychisch kranken Personen leiden sehr unter der Erkrankung ihrer Eltern und sind enormen psychosozialen Belastungen und Problemen ausgesetzt. Dadurch ist die Gefahr groß, dass die Kinder selbst erkranken – ein Teufelskreis beginnt.

Jetzt hat die EU das Problem der „vergessenen Kinder“ zum ersten Mal erkannt und die mentale Gesundheit dieser Kinder zu einer ihrer Top-Prioritäten erklärt. Im Rahmen des EU- Projekts „Kids Strengths“ folgen nun auch konkrete Taten: Eine jetzt zugängliche Online- Plattform bietet verschiedenen Berufsgruppen aus dem sozialen Umfeld von betroffenen Kindern erstmals ein auf diese zugeschnittenes Online-Training. Denn erst wenn diese Berufsgruppen entsprechend geschult sind, können sie den Kindern auch effizient helfen. Gleichzeitig dient die Plattform als Anlaufstelle für betroffene Kinder und Eltern. Koordiniert wird das Projekt von der österreichischen Organisation S.I.N.N. – Sozial Innovatives Netz und bindet 15 Organisationen aus neun europäischen Ländern ein. Eine dieser Organisationen ist die Fachhochschule St. Pölten, die insbesondere ein adäquates Training für die Gruppe der SozialarbeiterInnen erstellt und dabei von der Stadt St. Pölten unterstützt wird.

Psychischer Akutzustand

Wie akut die Situation in Hinblick auf die bisher quasi vergessenen Kinder ist, erklärt die Projektleiterin der FH St. Pölten, Mag. (FH) Christine Haselbacher vom Ilse Arlt Institut, das sich der Sozialarbeits-Forschung widmet: „Drei bis elf Prozent der in der EU lebenden Kinder haben einen Elternteil der psychisch erkrankt ist. In Österreich schätzen wir den Anteil der Kinder mit einer psychisch kranken Mutter auf ca. 67.000. Die tatsächliche Betroffenheit ist aber noch größer. Denn bei diesen Zahlen fehlen noch die Kinder psychisch kranker Väter, zu denen aktuell keine Daten vorliegen.“

Fachhochschule St. Pölten GmbH, Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten, T: +43 (2742) 313 228, F: +43 (2742) 313 228-339, E: office@fhstp.ac.at, I: www.fhstp.ac.at

St. Pölten, 26.05.2010

Die Kinder wissen oftmals über die Krankheit ihrer Eltern nicht wirklich Bescheid. Sie sind verunsichert, haben Angst und sind in einem ständigen Alarmzustand, in dem sie oftmals auch noch versuchen ihren Eltern zu helfen. Die Folge ist, dass diese Kinder selbst psychisch krank werden. Bisher wurde jedoch so gut wie gar nicht auf dieses gravierende gesellschaftliche Problem reagiert – es fehlten sowohl in Österreich als auch in ganz Europa bisher einfach Wissen und Information.

Dieses Wissen wird die FH St. Pölten nun im Rahmen des EU-Projekts „Kids Strengths“ an die Berufsgruppe der SozialarbeiterInnen weitergeben. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist die Entwicklung eines Kompetenzprofils, wie Mag. Haselbacher erklärt: „In unserem Profil legen wir dar, welche Kompetenzen Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen etwa auf psychologischem, medizinischem oder rechtlichem Gebiet benötigen, um reagieren zu können. Darüber hinaus definieren wir, wo wichtige Ansatzpunkte für die Sozialarbeit bestehen – beispielsweise, dass Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in der psychosozialen Beratung wie bisher nicht nur auf die Bedürfnisse der Betroffenen, sondern auch auf jene von deren Kinder achten sollen.“ Aufbauend auf dem Kompetenzprofil wird dann ein modulares Training für SozialarbeiterInnen erstellt. Ebenso entwickelt die FH gemeinsam mit S.I.N.N. und einer finnischen Partnerorganisation ein standardisiertes Diagnoseinstrument, das es ermöglicht, die psychische Gesundheit von Kindern festzustellen und zu stärken.

Multilingualer Lerneffekt

Neben der FH St. Pölten entwickeln weitere Projektpartner aus verschiedenen EU-Ländern Kompetenzprofile und modulare Trainings auch für PsychologInnen, LehrerInnen, KindergärtnerInnen, SpezialistInnen für die frühkindliche Entwicklung und medizinisches Personal. Diese sind gemeinsam mit einem umfangreichen Ressourcen-Pool in zehn verschiedenen Sprachen über eine Online-Plattform zugänglich. Diese Plattform ist bereits jetzt nutzbar und wird ab sofort schrittweise um immer mehr Wissen und Tools ergänzt. Langfristig sollen die hier verfügbaren Online-Trainings auch in die normalerweise üblichen Ausbildungsformen für die verschiedenen Sozialberufe integriert werden. Die Online-Plattform bietet jedoch nicht nur Professionisten eine Anlaufstelle, sondern auch betroffenen Kindern und Eltern, die hier Unterstützung und kompetente Ansprechpersonen finden. Damit gibt Kids Strengths mit der Hilfe der FH St. Pölten den bisher „vergessenen Kindern“ nicht nur langfristig, sondern auch akut eine Perspektive.

Über die Fachhochschule St. Pölten

Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den Bereichen Technologie, Wirtschaft und Gesundheit & Soziales. In mittlerweile 14 FH-Studiengängen werden mehr als 1700 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt innerhalb der Studiengänge sowie in eigens etablierten Instituten, in denen laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickelt und umgesetzt werden.

Über das EU-Projekt „Kids Strengths“

Das Projekt Kids Strengths wird von der Europäischen Union innerhalb des Programms Leonardo da Vinci – Lifelong Learning unterstützt (EU-Projekt Nr. 2009-1-AT-LEO05-01199 ). Das Projekt wird von S.I.N.N. – Sozial Innovatives Netzwerk (AT) koordiniert und umfasst folgende Partnerinstitutionen: Projektbüro für innovative Sozialpolitik (AT), Marie Curie Assocation (BG), The National Institute for Health and Welfare (FI), Netz und Boden – Initiative for Children and Mentally Ill Parents (DE), Eötvös Loránd University Faculty of Elementary and Nursery School Teachers‘ Training (HU), University of Minho (PT), Comenius University in Bratislava (SK), University of Prešov (SK), University Complutense of Madrid (ES), Kütahya Local Education Directorate (TR), Fachhochschule St. Pölten (AT). Online-Plattform: http://www.strong-kids.eu

Fachhochschule St. Pölten GmbH, Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten, T: +43 (2742) 313 228, F: +43 (2742) 313 228-339, E: office@fhstp.ac.at, I: www.fhstp.ac.at

Pressetext zum Download verfügbar unter: http://www.fhstp.ac.at/ueberuns/presse/presseaussendungen

Kontakt FH St. Pölten:
Mag. (FH) Christine Haselbacher, DSA Fachhochschule St. Pölten
Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung Matthias Corvinus-Str. 15
3100 St. Pölten
T +43 / (0)2742 / 313 228 – 517
E christine.haselbacher@fhstp.ac.at
W http://www.fhstp.ac.at

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